Beim Schreiben meines ersten Buches über KI im Kontext mittelständischer Unternehmen habe ich natürlich viele KI-Ratgeber gelesen, und immer wieder ging es um die Abschaffung menschlicher Arbeit. Darüber wurde immer unaufgeregt, ruhig und sachlich gesprochen. Wie wenn man über ein neues Software-Feature berichtet, das demnächst released wird. Ein Satz aus so einem Ratgeber ist mir besonders im Kopf geblieben. Das Zeitalter autonomer KI-Firmen, die ohne menschliches Eingreifen operieren, steht unmittelbar bevor. Was rede ich da nur?

Ich habe den Satz selbst zweimal oder noch öfter gelesen. Nicht weil er kompliziert war, sondern weil ich nicht glauben konnte, dass er einfach so dasteht. Ohne einen Kommentar, ohne Einordnung in einen Kontext, der alles auflöst. Nicht mal ein einziges Wort darüber, was das auch nur im Ansatz bedeuten würde.

Mir fällt gerade kein besseres Beispiel ein, aber stell dir vor, jemand schreibt einen Text über Städteplanung und erwähnt nebenbei, dass Städte bald keine Einwohner mehr brauchen. Und dann geht er zum nächsten Absatz über und beschreibt Beleuchtungskonzepte, Parkplatzmanagement etc. Genau so liest sich das.

Es liest sich wie eine Firma ohne Menschen, ohne Geschäftsführung, ohne Sachbearbeiter, ohne Herz und Seele. Übrig bleibt eine juristische Einheit, die Entscheidungen trifft, Verträge abschließt, Geld verdient und in der kein einziger Mensch morgens aufsteht, um zur Arbeit zu fahren. Das ist nicht die nächste Stufe der Automatisierung, sondern das Ende der Idee, dass Wirtschaft irgendetwas mit Menschen zu tun hat.

Und präsentiert wird es als reale Möglichkeit, besser gesagt als Ausblick, der es wert ist, als echte Perspektive wahrgenommen zu werden. So wie man das Wetter im Auge behält, ob es regnet oder vielleicht doch die Sonne scheint.

Ich bin in dreißig Jahren Selbstständigkeit über so einige Technologie-Versprechen gestolpert. Die Blockchain ist ein Beispiel für einen Hype, der die große Veränderung versprach, aber nie einhalten konnte. Oft hat sich bei solchen Versprechen weit weniger verändert als angekündigt. Manchmal hat sich dann doch was verändert, und zwar still und leise. Sodass man es erst bemerkte, als es zu spät war.

Was mich dabei irritiert, ist nicht die Prognose. Vielleicht stimmt sie ja. Es war diese subtile Tonlage, die mich aufschreckte. Eine autonome KI-Firma wird beschrieben wie ein Betriebssystem, das ein Upgrade bekommt. Man installiert es und dann läuft alles noch besser. Aber für wen?

Der Eigentümer zahlt keine Gehälter mehr, trägt kein Personalrisiko und dem Algorithmus ist sowieso alles egal. Und die Menschen, die in der alten Version dieser Firma gearbeitet haben, sind schnell vergessen.

Das ist Teil dieser Diskussion, der mich an der ganzen KI-Thematik beschäftigt. Die großen Veränderungen, die damit einhergehen, gehen oft unter, und viel Existenzielles wird technisch so geschickt verpackt, dass die Konsequenzen für die Menschen als logisch hinzunehmende Nebeneffekte erscheinen.

Ich frage mich, ob die Verfasser solcher Texte das mit Absicht machen. Oder ob die Logik der Optimierung so selbstverständlich geworden ist, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, was man sagt. Wenn das Ziel Effizienz ist, dann ist der Mensch ein Kostenfaktor. Und den Kostenfaktor zu eliminieren ist kein ethisches Problem, sondern ein technisches. Man löst es und feiert den Effizienzgewinn.

Diese Art zu denken ist bestimmt nicht böse gemeint. Aber es gibt Sätze, die man nicht einfach nur beiläufig schreiben darf. Wenn sie geschrieben werden, müssen sie den Leser zu einer Pause zwingen, damit er anfängt, darüber nachzudenken. In Zukunft wird es autonome KI-Firmen geben, die ohne menschliches Eingreifen operieren wäre so ein Satz.