Hinter der Postkarte Balis
Als ich zum ersten Mal ankam, roch es nach Staub und verbranntem Plastik. Ich habe Bali erst gerochen, bevor ich die Insel überhaupt gesehen habe. Und dann war das sofort das Grün und eine Hitze, die nicht auf der Haut bleibt, sondern sich sofort tief einbrennt.
Jeder kennt die Postkarte. Die Reisterrassen und den Sonnenuntergang über dem Tempel. Du kannst das Foto nach Hause mitnehmen in dem Glauben, du hättest etwas verstanden. Aber wenn du hinter die Fassade gehst, findest du kein Geheimnis. Du findest das, was sich dort seit Beginn des Massentourismus festgesetzt hat. Eine einzigartige Mischung aus Schmutz und Lärm und Liebenswürdigkeit und Spiritualität, alles gleichzeitig.
Der Kern der Insel ist spirituell. Die Zeremonien passieren täglich, stur und ohne Rücksicht auf die Touristen. Die Touristen nehmen meist auch keine Rücksicht, aber das wäre jetzt ein viel tieferes Thema. Das schreibe ich in einem anderen Essay. Hier geht es mir um den ersten Eindruck und der ist nicht für Besucher gedacht. Aber er ist für die Balinesen so echt, dass du als Aussenstehender nur glotzen kannst. Denn du verstehst die Götter und Geister dort nicht. Du besuchst sie und sie lachen über dich. Nicht die Menschen, aber die Götter. Zumindest habe ich das gespürt. Oder mir kam es so vor. Aus Unwissen.
Aber Spiritualität zieht oft das Gegenteil an. Die Leute, die nach Bali kommen, suchen nicht sich selbst. Sie wollen mehr Selbst als bei ihnen vorhanden ist. Wer sich selbst finden will, kann das zuhause tun. Dafür muss niemand ins Flugzeug steigen.
Die Balinesen beten und gehen einfach weiter. Die meisten schauen dich an, als wärst du nicht da. Sie halten aus, was an Touristen auf ihre Küste gespült wird, aber sie werden langsam davon gefressen.
Bali hat mir eine Illusion genommen. Dass es einen Ort gibt, der dich heilt, und dass Schönheit bedeutet, dass es stimmt. Die Insel schuldet dir nichts. Sie zeigt dir alles offen, hässlich und schön gleichzeitig. Wie lange sie das noch aushält, weiss ich nicht. Aber ich werde darüber schreiben.
Wie meine Texte entstehen, steht hier.