Geschwindigkeit ist nicht Kreativität

Vor ein paar Wochen habe ich eine KI gebeten, zwanzig Varianten eines Buchcovers zu generieren. In vier Minuten hatte ich zwanzig Entwürfe. Alle technisch sauber. Keiner war gut.

Keines hat real gewirkt. Die Proportionen stimmten, die Farben passten. Aber alles war synthetisch. Überall fehlte etwas, das man nicht an einer einzelnen Stelle festmachen konnte. Das Gefühl, dass sich jemand etwas dabei gedacht hat. Dass jemand mit dem Material gerungen hat und zu einer Entscheidung gekommen ist.

Aber das war nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem war, was die vier Minuten mit mir gemacht haben.

Vor den vier Minuten hatte ich Bilder im Kopf. Vorstellungen, wie das Cover aussehen könnte. Ein Gefühl für die Richtung. Ich hatte Vorfreude auf den Gestaltungsprozess.

Nach den vier Minuten war das weg. Alles. Die zwanzig synthetischen Vorschläge hatten meine eigenen Bilder überschrieben. Vier Minuten, kein Ergebnis, und die eigene Kreativität zerstört.

Ich hätte erwartet, dass ein Werkzeug den Prozess unterstützt. Dieses hier hat ihn beendet.

Wer ein Cover gestaltet, erzeugt nicht einfach ein Bild. Man setzt sich mit dem Inhalt auseinander, fragt sich, was das Buch sagen will. Man macht Entwürfe, die nicht funktionieren, und versteht dabei, warum. Irgendwann hat man ein Gefühl, das man noch nicht benennen kann, und arbeitet so lange an der Form, bis es sichtbar wird.

Das dauert. Manchmal Tage. Und genau deshalb entsteht am Ende etwas, das man spürt.

Die KI überspringt diesen Prozess. Sie liefert ein Ergebnis ohne den Weg. Und ein Ergebnis ohne den Weg hat keine Geschichte.

Vielleicht muss nur Entwicklungszeit vergehen. Vielleicht liefert die KI in zwei Jahren Cover, die real wirken. Das mag sein. Aber auch dann fehlt der Weg. Und der Weg ist nicht der Preis, den man für ein gutes Ergebnis zahlt. Der Weg ist der Punkt.

Ich benutze KI für Recherche und für Strukturen, die ich dann verändere. Das ist nützlich. Aber für Dinge, an denen etwas von mir sichtbar werden soll, benutze ich sie nicht mehr. Nicht weil die Ergebnisse schlecht sind. Sondern weil ich nach vier Minuten vor zwanzig Bildern sass und keines davon meines war.

Wie meine Texte entstehen, steht hier.