Perfektion als Vertrauenskiller
Als ChatGPT rauskam, wurde er unser neues Familienmitglied. Wir haben ihm Fragen gestellt und Texte schreiben lassen. Der Zugang zu Wissen ging plötzlich unkomplizierter als je zuvor. Ich war begeistert.
Der Kater kam ein paar Monate später.
Die Output-Sprache war zu verlockend. Alles da und perfekt formuliert. Aber mein inneres Messer, den Dingen auf den Grund zu gehen und durch das Dickicht der Informationen zu schneiden, wurde stumpf. Ich musste nicht mehr ringen. Die Maschine hat geliefert und ich habe abgenickt.
Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass alles gleich klang. Dieselben Wendungen, dieselbe Pseudo-Schlauheit mit einer Schleimspur, die sagte: Schau, wie intelligent ich schreibe. Und ich habe gemerkt, dass meine eigenen Texte anfingen, genauso zu klingen.
Irgendwann habe ich aufgehört, der Maschine meine Sprache zu überlassen.
Seitdem fällt mir die KI-Sprache überall auf. In About-Texten und Unternehmenspositionierungen. Weichgespülte Formulierungen, die schlauer klingen als die Person dahinter jemals formulieren würde. Und es sind nicht nur die Texte, die offensichtlich aus der Maschine kommen. Es ist die Sprache selbst, die sich verbreitet hat. Leute sprechen sie nach, auch ohne Skript. Die Post-Buzzword-Sprache ist KI-Gemaunschel.
Mein Problem damit ist nicht, dass die Texte schlecht sind. Mein Problem ist, dass ich nicht mehr erkennen kann, ob jemand selbst gedacht hat. Ob da ein Mensch sitzt, der um einen Gedanken gerungen hat. Oder ob jemand einen Prompt eingegeben und das Ergebnis kopiert hat.
Ohne dieses Gefühl gibt es kein Vertrauen. Vertrauen entsteht, wenn du merkst, dass jemand hinter seinen Worten steht. Dass die Worte vielleicht holprig sind, aber jemand dahinter nachgedacht hat. KI-Sprache nimmt genau das weg.
Ich klage niemanden an. Ich habe es bei mir selbst zuerst gemerkt. Die Versuchung ist real. Ich verstehe jeden, der ihr nachgibt. Aber ich habe mich entschieden, den langsameren Weg zu gehen. Selbst zu schreiben und selbst zu denken.
Natürlich benutze ich KI-Tools. Ich schreibe auf Deutsch und ein Übersetzungstool überträgt das ins Englische. Nicht Wort für Wort, sondern so, dass die Aussage erhalten bleibt. Die KI erkennt was ich meine und findet den richtigen Ton in einer anderen Sprache. Das ist nützlich. Aber den Gedanken, den sie übersetzen soll, den muss ich selbst haben.
Wie meine Texte entstehen, steht hier.