Perfektion verkaufen und im selben Atemzug davor warnen

Schon die menschlichen Influencer wollten die Perfektion verkaufen. Das Hustlen um das perfekte Bild und das perfekte Leben. Manchmal trieb das Stilblüten und man konnte schmunzeln. Weil hinter der Fassade immer ein Mensch sichtbar war, der sich anstrengte. Der es versuchte und dabei manchmal scheiterte. Das war unterhaltsam.

KI-Influencer treiben das auf die Spitze. Ohne Anstrengung, ohne Scham. Alles pikobello. Nur noch mega. Kein Stolpern und kein Moment, in dem die Fassade wackelt. Und damit verschwindet das Schmunzeln. Weil kein einziges menschliches Element mehr erkennbar ist. Entweder kann der Algorithmus keine menschlichen Züge der Unperfektion. Oder der Prompt war zu perfekt. Ich weiss es nicht.

Was ich weiss: Es hat mich direkt abgestossen. Nicht langsam, nicht schleichend. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Widersprüchliche Fassaden, die so tun als wären sie echt. Eine Scheinwelt, die nicht mal versucht, sich zu verstecken. Ich wollte das nicht sehen. Ich wollte mich nicht als Zuschauer einer Illusion wiederfinden, die mich nichts angeht.

Ich habe Instagram gelöscht. Es machte keinen Sinn mehr.

Aber es hat etwas mit mir gemacht. Nicht das, was man erwarten würde. Die perfekten Bilder haben mich nicht verunsichert. Sie haben meinen Drang gestärkt, selbst etwas zu schaffen und mit Menschen intensiver zu reden. Ich sah, wie kurz die Zeit ist. Ich wollte sie nicht mit einer langweiligen Illusion verbringen. Irgendwann ist eine weisse Wand interessanter.

Wie meine Texte entstehen, steht hier.