Wer schreibt hier

Ich schreibe, um mich mir selbst zu öffnen. Um mein Inneres mir selbst zugänglich zu machen. Hinterher fühle ich mich wie nach Sport, erleichtert und frei. Schreiben ist nicht mein Beruf, es ist mein Denkwerkzeug.

Über die Jahre besuchte ich Schreibseminare und übte Schreibmeditationen. Tief in einen Kontext zu sinken und ihn wirklich zu spüren wurde dadurch einfacher. Wenn ich schreibe, verarbeite und verstehe ich Dinge besser, die mir vorher nicht so klar waren. Der Vorgang des Schreibens löst bei mir einen inneren Prozess aus, der mich stückweise immer näher zu Antworten bringt.

Das Lesen hingegen hat bei mir nie richtig funktioniert. Berichte, Sachtexte vergesse ich schnell. Geschichten bleiben schon eher haften. Schreiben dagegen ist für mich der beste Zugang zum Lernen. Ich setze mich intensiv mit Themen auseinander und es macht mir umso mehr Spaß, noch weiter zu graben. Es löst regelrechte Kreativitätsschübe aus und während ich noch über ein Thema schreibe, mache ich mir schon Notizen über das nächste.

Was dabei rauskommt, bleibt dann so, weil meine Geduld für große Korrekturrunden ohnehin fehlt. Lektoren und Schreibtools nutze ich auch nicht, weil es mir gar nicht so sehr um den Output geht, sondern um den Denkvorgang. Ich schreibe auf Deutsch, weil es meine Muttersprache ist und die Sätze klar besser aus mir raus sprudeln als auf Englisch. Übersetzen lasse ich dann durch Übersetzungstools wie DeepL und mehr und mehr durch KI wie Claude. Die Tools sind so gut, dass ich die Übersetzungen immer weniger überarbeite.

Der Zustand

Wenn ich einmal drin bin, kann ich nicht aufhören. Die Sätze kommen, ein Gedanke ergibt den nächsten. Das ist ein Zustand, den viele als Flow beschreiben. Ich empfinde es nicht so. Für mich fühlt es sich vor allem anstrengend an. Ich spüre, dass es mir viel Geduld abverlangt. Erfahrung habe ich genug, da ich seit 30 Jahren berufsbedingt viel schreibe, trotzdem entwickelte sich nie eine Technik, die ich ein- oder ausschalten kann. Schreiben und Denken verschmelzen zu einer Einheit und genau das macht es so anstrengend. Ständig den Kontext halten, nicht abschweifen, die Logik halten, Kaffee nachfüllen, sitzen bleiben. Nicht aufstehen und ausflippen, weil ich für einen Satz viel zu lange brauche und der nächste Satz dadurch in immer weitere Ferne verschwindet. Flow fühlt sich anders an.

Dieser Zustand oder besser Vorgang ist sehr fragil. Jede noch so kleine Unterbrechung hat das Potenzial, alles um Stunden zurückzuwerfen. Tab wechseln, ein Dokument suchen, eine Zahl oder Referenz nachschlagen, zurückkommen, essen, trinken. Selbst den Gang zur Toilette zögere ich raus bis ganz kurz vor knapp. Denn Gedanken können schneller verschwinden, als sie auftauchen, und man läuft das Risiko, weit vorne wieder neu anzufangen.

Während der letzten zwanzig Jahre, als ich beruflich viel zwischen USA, Europa und Asien gependelt bin, war es meine Aufgabe, Märkte und Trends zu analysieren und daraus Vertriebs- und Marketingansätze zu entwickeln. Das geschah durch Schreiben und dadurch ist vieles sehr genau dokumentiert. Es war mir schon immer ein Bedürfnis, meine Erkenntnisse aus all den tausend Dokumenten aufzuschreiben. Denn ich erkannte, dass all die Fehlentscheidungen, die im Laufe meiner Karriere passiert waren, ein großes Warum entstehen ließen. Und da Technologie einen extrem schnellen Zugang zu Daten und Analysen verschafft, versank ich zunächst darin. Und kam nicht mehr zum Text zurück. Oft war der Kontext weg und der Flow sowieso. Als KI aufkam, entdeckte ich das Feld der Ontologie für mich, da ich es intuitiv immer tat, aber eben manuell. Es war das System, das ich hatte, aber nie so für mich weiterentwickelte, dass es mir besser hilft.

Ohne System — Der Zustand bricht ab

Recherche Recherche Frust statt Flow Flow Neustart

Mit System (Ontologie + KI) — Der Zustand bleibt

Märkte Studien Trends Erfahrung Flow Flow Daten aus eigenem System: unterbrechungsfreies Schreiben

Ontologie ist im Grunde nichts anderes als Wissen so zu ordnen, dass man damit arbeiten kann. Nicht sammeln um des Sammelns willen, sondern Zusammenhänge sichtbar machen, auf deren Basis jemand eine Entscheidung treffen kann. KI macht dieses Wissen in Echtzeit zugänglich, ohne den Denkprozess zu unterbrechen.

Was die KI wirklich tut

Wie für viele andere auch, entwickelte sich KI als unverzichtbares Werkzeug. Recherchen, die vorher viele Tage dauerten, waren nun eine Sache der richtigen Frage. Man verpackt sie in einen Prompt und wartet ein paar Minuten. Viele meiner Texte wären ohne diese Einfachheit, so schnell an Informationen zu kommen, überhaupt nicht möglich. Direkte APIs an Wissensdatenbanken konnte ich nun mit all den Texten vermengen, die ich über die Jahre verfasst und gesammelt habe. KI hilft mir dabei, all diese Daten und Informationen zu verwalten und mir dann zugänglich zu machen, wenn ich sie brauche. Wenn ich mitten im Gedanken oder Satz eine Zahl brauche, dann läuft neben mir eine Datenbank mit, die das Geschriebene durchsucht und mir die Daten dazuliefert. Es wäre naheliegend, gleich die Texte durch LLMs schreiben zu lassen, aber dann ginge mein Prozess des Lernens, Verstehens und Weiterkommens komplett verloren. Aber der Schreibvorgang war plötzlich komplett auf Steroiden.

Die falsche Frage

Gefühlt 99% der Inhalte im Internet sind inzwischen synthetisch. Die Debatte dreht sich darum, wer das alles geschrieben hat. Für mich ist die Frage irrelevant. Mir ist viel wichtiger: Für wen wurde der Inhalt gemacht?

Für mich war die Antwort nicht schwer. Denn ich habe früh erkannt, dass ich in erster Linie für mich selbst schreibe. Für mein Verstehen und Lernen. Erst später kamen Rückmeldungen, dass meine Texte und Analysen auch für andere Menschen wertvoll waren. So wurden Essays für mich zum optimalen Format, denn sie machten die Inhalte für mich und für andere symbiotisch wertvoll. Für mich im Schreiben, für andere im Lesen. Die KI macht mir mein eigenes und externes Wissen in genau dem Moment zugänglich, in dem ich es brauche.

Meine Erkenntnis daraus: Autorenschaft ist nicht Tippen, sondern Verantwortung für das Geschriebene. Wer entscheidet, was relevant ist, der ist Autor. Das Werkzeug daneben spielt keine zentrale Rolle.

Jeder dieser Texte ist so entstanden. Ich habe geschrieben, die KI hat mich mit meinen eigenen Erfahrungen gefüttert.

Wie meine Texte entstehen, steht hier.