KI als kreativer Partner

Ich habe letzte Woche einen Text geschrieben. Einen, der nicht funktioniert hat. Ich habe ihn gelöscht und neu angefangen. Dreimal. Am Ende war der Text halb so lang wie geplant, sagte etwas anderes als ich vorher dachte und war besser als alles, was ich mir vorgenommen hatte.

So schreibe ich. Nicht weil ich es nicht besser kann, sondern weil das Schreiben für mich ein Denkprozess ist. Ich weiss vorher nicht, was ich sagen will. Ich finde es heraus, während ich um die Sätze ringe. Und dabei sehe ich mich selbst, klarer als in jedem Gespräch.

KI wird zunehmend als kreativer Partner bezeichnet. Sie generiert Inhalte und optimiert sie. Das Versprechen ist: weniger Aufwand, bessere Ergebnisse.

Vielleicht stimmt das. Vielleicht produziert eine KI tatsächlich bessere Texte als ich, schneller und mit weniger Reibung. Aber ich will manchmal kein besseres Ergebnis. Ich will mich sehen. Ich will ein Ergebnis, das meine offenen Fragen zeigt, nicht eines, das sie beantwortet.

Ein kreativer Partner ist für mich etwas anderes. Der Blick aus dem Fenster, der einen Gedanken auslöst. Ein Artikel, den ich halb lese und dann weglege, weil mir beim Lesen etwas Eigenes eingefallen ist. Was diese Momente gemeinsam haben: Sie geben mir nichts Fertiges. Sie geben mir einen Anstoss, und dann muss ich selbst etwas daraus machen.

Die KI arbeitet anders. Sie liefert ein fertiges Ergebnis. Schnell und brauchbar. Aber sie nimmt mir damit genau den Teil ab, der für mich der wichtigste ist: das Ringen um den Gedanken. Den Moment, in dem ich nicht weiss, was ich denke, und es beim Schreiben herausfinde.

Wenn ich höre, dass KI ein kreativer Partner sei, schüttle ich innerlich den Kopf. Nicht weil die Technik schlecht ist. Sondern weil das Wort Partner voraussetzt, dass beide Seiten etwas einbringen. Die KI bringt Geschwindigkeit und Muster ein. Was bringe ich ein, wenn das Ergebnis schon fertig ist?

Ich bin da vielleicht zu speziell. Vielleicht brauchen die meisten Leute diesen Prozess nicht. Vielleicht geht es ihnen um das Ergebnis, und wenn das Ergebnis stimmt, ist der Weg egal. Das wäre kein Fehler. Es wäre einfach eine andere Art zu arbeiten.

Aber meine Art ist eine andere. Unproduktiv, lernend, beim Versuch zu verstehen.

Wie meine Texte entstehen, steht hier.