KI-Content verkaufen, aber nicht damit schreiben können
Die Tech-Branche war mal wieder felsenfest überzeugt und ich hatte diesmal auch nicht den geringsten Zweifel daran. Die KI-Modelle von OpenAI waren so gut, dass Goldgräberstimmung weit untertrieben war für das, was ich da sah. Jeder konnte nur mit einfachen und kurzgefassten Prompts ganze Texte schreiben lassen, die so gut klangen, dass man selbst getrost den Stift fallen lassen konnte.
Ich habe mich auch anstecken lassen. Aber es gab da auch diese Kehrseite der Medaille. Denn die gleichen Leute, die dieses Wunderwerk der Technik als Allheilmittel anpriesen, schrieben ihre Sachen von Hand. Ich sah es immer wieder. Ich habe auch manuell weitergeschrieben und dachte, ich wäre etwas langsamer als andere. Aber viele, wirklich viele schrieben ihre Inhalte von Hand weiter.
Ich habe das lange beobachtet. Berater empfehlen ihren Kunden KI-Content, schreiben aber ihre eigenen Texte selbst. Sie verkauften anderen die Idee, keine Texte mehr selbst zu schreiben, aber vertrauten der KI bei den eigenen Sachen nicht. KI-Buch-Autoren, auch ich, bezeichnen KI-generierte Texte als hochwertig und schreiben ihre Bücher von Hand. Wenn der eigene Name draufsteht, reicht die Qualität offenbar nicht. Das war ein zentraler Widerspruch einer ganzen Branche und ich sah es zu oft, um es als Zufall abzutun.
Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder ist KI-generierter Content qualitativ hochwertig, dann könnte man auch seine eigenen Sachen damit schreiben. Oder er ist es nicht, dann sollte man ihn auch nicht so bewerten. Mein Verdacht bestätigte sich: Es kommt in erster Linie darauf an, für wen der Text sein soll.
Denn darüber redet niemand oder es hat sich keiner getraut oder es hat niemand wirklich messen können. KI-Content ist gut genug für dich, aber nicht für mich. Die Experten nutzen KI als Zuarbeit. Was sie selbst veröffentlichen, schreiben sie anders und meistens selbst.
Es fällt nur nicht auf, weil man es ja nicht überprüfen kann. Die Empfehlung wird samt teurer Schulung und Software-Implementierung verkauft. Aber was der Berater selbst tut, sieht man nie.
In dreißig Jahren Beratung hat sich bei mir eine Faustregel etabliert: Schau, was jemand für sich selbst tut und nicht was er dir empfiehlt. Wer KI-Content empfiehlt und seine eigenen Texte von Hand schreibt, sagt deutlich genug, was er wirklich denkt.
Was die Empfehlungen oder Ratgeber wirklich meinen, ist, dass KI-Texte gut genug für die Masse sind, also für die tägliche Flut an Inhalten, die niemand wirklich liest. Für den Newsletter, den man wenn überhaupt nur überfliegt oder den Blogartikel, der nach drei Sätzen nicht mehr interessiert, reicht es.
Aber wenn dein Name draufsteht und es wirklich relevant sein soll, dann reicht es nicht mehr und jeder weiß es ganz genau. Keiner redet gerne darüber, aber jeder gibt es zu. Diese synthetisch klingenden und extrem schlauen Formulierungen werden zur unlesbaren Massenware, die über eine Buchstabensuppe nicht hinauskommt.
Es gibt Texte, bei denen die Herkunft egal ist. Das sind Formulare, automatische Benachrichtigungen oder sonstige Standardtexte, denn dort erwartet niemand eine menschliche Stimme. Aber wenn für Marketingtexte und Kundenkommunikation, also Texte, die Vertrauen aufbauen sollen, Werkzeuge empfohlen werden, die für die eigene Arbeit nicht reichen, dann ist es in meinen Augen eine Lüge. Man verkauft viel Effizienz bei miserabler Qualität.
Wie meine Texte entstehen, steht hier.